Letzten Freitag gab es mal ein Highlight der anderen Art! Christoph und ich haben uns leichtsinnigerweise mal wirklich in Gefahr gebracht. Alles fing mit der Idee an, nachts den hoechsten Berg Japans, den Mount Fuji zu besteigen. Es stellt sich die Frage, warum nachts, die mir Christoph mit dem Satz, das tun alle, damit man am morgen den wunderschoenen Sonnenaufgang anschauen kann, verworfen. Ich dachte mir okay, bisschen wandern im Dunkeln. Die wirkliche Wahrheit sah dann aber ganz anders aus. Leicht praepariert begann direkt nach der Arbeit die Fahrt in Richtung Talstation! Gestaerkt mit einem Double Quarter Pounder Menue von Mekku Donarudo ging es mit viel Kleidung im Gepaeck zum Bus, der uns auf dich 2300 Meter hoch gelegene 5th Station des Berges bringen sollte. Soweit, so gut. Bei der Ankunft begruesste uns direkt ein konstanter Regenguss, eine Tatsache, die uns aufgrund des sehr guten Wetterberichts durchaus ueberraschte. Aber an der Talstation gab es einen Supermarkt, in dem man alles noetige kaufen konnte. Bewaffnet mit einem Regencape, einem Schirm und Taschenlampen ging es dann los und bereits nach 100 Metern daemmerte uns, wie unglaublich dunkel es nachts und bei Regen ist. Sichtweit gleich null. Egal weiter ins Abenteuer und prompt haben wir 2 Amerikanerinnen und 2 Englaender kennengelernt und uns zu einer 6er Gruppe zusammengeschlossen!

Bereits von Beginn an hielten mich alle fuer vollkommen gestoert den Berg mit einem Schirm zu besteigen, ich liess mich aber nicht davon abhalten und wurde spaeter immerhin in meiner Sturheit bestaetigt. Die ersten 1000 Hoehenmeter waren schneller als gedacht (2 Stunden), so dass wir anfingen ueber die veranschlagten 5,5 Stunden, die man mindestens braucht, zu laestern. Nur noch 400 Meter! Doch die Luft wurde schlagartig duenner, es wurde immer kaelter und ploetzlich standen wir vor riesigen Steinlandschaften, keine Wege mehr, nur noch Steine. Eine Stunde spaeter und gerade einmal 70 Hoehenmeter weiter, wurde uns nach Luft schnaufend und zitternd klar, das dies wohl gerade auch wegen dem anhaltenden Regen, kein Kinderspiel werden wird und der Spass war ganz schnell vergangen. Als wir dann auch noch dem ersten Schnee begegneten wurde uns klar, dass eine Jeans, Sneaker und auch 3 Pullis und eine Jacke wohl nicht genug Ausruestung sind und was noch viel schlimmer war, uns wurde klar, dass es kein zurueck gab! Vollkommen durchnaesst und durchfroren war ein Rueckzug nicht moeglich, da der naechste Bus erst in 9 Stunden in der Talstation abfuhr und wir somit haetten im Regen schlafen muessen, es gab nur eine Alternative: Weiterklettern. Und aus dem Wandern wurde auch wirklich klettern. Anfangs belaechelten wir noch die Japaner die in voller Bergsteiger Montur mit uns angetreten sind, umso schlimmer traf uns unsere Naivitaet. Auf 3400 Metern Hoehe begann ein Kampf und wir wollten diesen nicht verlieren. Wir trennten uns von der uns zu langsamen restlichen Gruppe und fingen, eben auch aufgrund der Kaelte an, schneller aufzusteigen und es ging voran. Irgendwann schaltete dann bei mir der Kopf aus und es war wirklich nur noch ein Kampf. Unglaubliche 2,5 Stunden spaeter, fuer 300 Hoehenmeter, haben wir es dann doch 40 Minuten vor Sonnenaufgang auf die Spitze geschafft. Doch auch hier bestand kein einziger Moment der Freude! Wir waren nur erschoepft, meine Schuhe waren voller Wasser und dieses fing so langsam an bei den Minustemperaturen anzuziehen, so dass ich mir Sorgen um meine Zehen machte. Meine Haende waren dunkelblau und ich konnte sie kaum noch knicken, um ehrlich zu sein, es sah gar nicht gut aus um meinen koerperlichen Zustand und auch die anderen Bergsteiger befanden ich sehe mehr Tod als lebendig aus. Doch wir waren nicht 6 Stunden auf den Berg geklettert, um dann wegen 30 Minuten den Sonnenaufgang zu sehen und gluecklicherweise hat mir ein erfahrener Bergsteiger die Sorge genommen, in dem er mir sehr ernst klarmachte, dass es nicht kalt genug ist um Zehen oder Finger zu verlieren, die Schmerzen waren dennoch unheimlich. Die Situation auf der Spitze war auch sehr merkwuerdig, insgesamt waren etwa 30 Leute oben, die alle in einer grossen Masse standen, zitterten und versuchten sich gegenseitig zu waermen. Es war ein gemeinsames Frieren, das wir nach dem Kommentar eines Einheimischen, dass es heute wegen dem Nebel nichts zu sehen gibt, dann doch 15 Minuten vor Sonnenaufgang abbrachen und den Abstieg antraten. Dieser Verlief auch zuerst sehr gut, nach einer Stunde hatten wir bereits 300 Meter geschafft, das Frieren war vorbei und wir waren wieder besser gestimmt. Doch dann trat bei uns beiden die Erschoepfung ein und die Muskeln liessen nach und dass 1100 Meter ueber der Talstation. Es war ein langer und harter Kampf, aber unglaubliche 3 Stunden spaeter erreichten wir wieder frierend und vollkommen durchnaesst (mein Schirm ist leider auf der Spitze von einem Windstoss zerfetzt worden) die Bushaltestelle, um festzustellen, dass wir noch 3 Stunden in der Kaelte und vollkommen nass sitzen muessen, bis der Bus kam. Eine harte Zeit und ich erinnere mich kaum an eine Situation an der ich so froh war gegen 2 Uhr nachmittags, nach 37 Stunden ohne Schlaf nach Hause zu kommen, zu duschen und zu schlafen.
Alles in allem kann ich wirklich froh sein, dass ich mir nichts getan habe, gerade auf dem Weg hinab, es war ja mittlerweile hell, wurde mir klar, wie gefaehrlich der Weg war und wir dumm es ist diesen mit Sneakers zu absolvieren.
Aber ich bin nichtsdestotrotz auch verdammt stolz, dass wir es trotz der Bedingung geschafft haben, denn selbst unter den Japanern schafft es nur ein sehr kleiner Teil auf den 3776 Meter hohen Berg!
Samstag und Sonntag drehten sich dann primaer ums Schalfen und ums Wunden lecken. Sonntag hatte ich ein Date mit der lieben netten "Schlampe", die ich in der Woche zuvor kennen gelernt habe. Die Einschaetzung meiner Kollegen stellten sich als richtig heraus, so dass dies noch die Kroenung des eh schon sehr bescheidenen Wochenende war!
Am Dienstag bekam ich gluecklicherweise den Nachmittag frei, um den Professor, der mein Praktikum mitvermittelt hat, an seiner Universitaet zu besuchen. Er lehrt an einer kleinen, vor 3 Jahren erst gegruendeten, privaten Business School, die gerade auch wegen Ihrer Groesse (200 Stundenten) meiner Uni sehr aehnlich ist. Ich hatte die Moeglichkeit an seinen Vorlesungen teilzunehmen und war selbst Thema einer Vorlesung, danach ging es ins Kino, um den Deutschen Film "Der Vorleser" auf Englisch und mit Japanischen Untertiteln anzusehen! By the way, ein grandioser Film. Danach ging es dann mit 10 seiner Studenten noch ausgiebig Essen und Trinken, alles in allem ein toller Tag!

Heute Abend steht meine Welcome Party in meiner letzten Abteilung an, morgen steht noch einmal ausruhen auf dem Plan, bevor Freitag Manu aus Autralien ankommt und wir das Wochenende durchfeiern!
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