Dienstag, 23. Juni 2009

Dirty Talk, Zahnspangen, Sugarmamas und ein Modelvertrag

Die letzte Woche war unglaublich! Nach einem, Gott sei Dank, sehr ruhigen Mittwoch, war ich Donnerstags mal wieder zu einer Farewell Party eingeladen. Diesmal ging es in eines der besten Spanischen Restaurants der Stadt. Das Essen war der absolute Wahnsinn und vom Trinken will ich erst gar nicht reden.

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Tokyo Midtown

Mit leichten Kopfschmerzen stand Freitag dann meine zweite Praesentation an, doch bevor es losging, war ich noch mit den Maedels aus meiner Abteilung Italienisch essen. Sagen wir mal Japaner sind nicht ganz gekonnt im Umgang mit Messer und Gabel, sodass mich beim Essen ploetzlich etwas fluessiges am Kopf erwischt hat, als ich dann an mir runtersah, stellte ich fest, dass die suesse kleine Yuka gerade ihrer komplette Tomatensosse auf meinem Hemd verteilt hat, nachdem sie beim Hackbaellchen schneiden abgerutscht ist. Dann wurde es lustig, der Unfall war naemlich genau 30 Minuten vor meiner Praesentation, sodass mich die drei Frauen direkt vom Tisch gepackt haben mit mir auf eine Toilette gerannt sind und dann 15 Minuten lang zu dritt an mir mein Hemd gewaschen haben. Ich brauche nicht erwaehnen, dass es merkwuerdig ist in einer japanischen Frauen-Toilette zu stehen und dabei von drei Frauen mit feuchten Tuechern gerieben zu werden. Aber eines muss man Ihnen lassen, ich stand bei meiner Praesentation mit einem strahlend weissen, zwar noch etwas nassen, aber doch ueberraschend sauberen Hemd.

Am Abend waren wir dann mit einem Alumni verabredet, allerdings sind wir ein wenig vor einem der 24 Stunden Stores versumpft und haben uns total verquatscht und total betrunken, so dass, als wir in der Bar ankamen, alle schon in einen Club in Roppongi weitergezogen sind. Am Club angekommen bekam ich ein mulmiges Gefuehl, es war der gleiche Club an dem ich 3 Wochen zuvor so abgestuerzt bin, dass ich das ganze Wochenende zerstoert war und morgens an irgendeinem Bahnhof aufgewacht bin, aber da musste ich jetzt durch. Kaum drin, waren wir erstmal schockiert, denn der Club war ziemlich leer und die Haelfte der Gaeste waren Studenten oder Ehemalige der WHU. Dank unseres Alkoholpegels verlief der Abend dann aber doch sehr lustig und ich bin am naechsten morgen etwa gegen halb 11 endlich bei Christoph angekommen. Details gibts nur auf Anfrage.

Damit war der Samstag erstmal dem Schlafen gewidmet. Am Abend war ich dann zu einem Essen im Hause des Abteilungsleiters der Personalabteilung eingeladen. Er wollte mir unbedingt das japanische Familienleben zeigen und ueberraschte mich mit der Aufforderung doch bitte ueber Nacht zu bleiben. Etwas verunsichert am Bahnhof angekommen, stellte er mich erst einmal seiner 17 jaehrigen Tochter vor, die, wie er sagte, spaeter unbedingt International Relationship studieren will und ich somit ihr erster Kontakt fuer die Zukunft sei. Auf diesen Kommentar begann mich die suesse Yurika anzulachen und praesentierte mir mehr beilaeufig Ihre silberne Zahnspange...das konnte ja heiter werden. Im sehr netten Haus angekommen, durfte ich dann noch Bekanntschaft mit Youhe, dem 19 jaehrigen Sohn und seiner Frau Midori machen. Midori ist uebrigens Japanisch fuer Gruen, ein Grund dafuer, dass er einen gruenen Wagen faehrt, eine Geschichte die ich an diesem Abend nicht das letzte mal gehoert habe. Die Idee das japanische Familienleben kennenzulernen war natuerlich echt super, das aber nur der Vater Englisch sprach machte die Sache schon schwieriger, sodass es mehr ein Dialog als ein Familiengespraech war. Als der Vater mich dann fragte, was die beste Methode ist Englisch zu lernen und ich sagte, das der einfachste Weg eine Englische Freundin sei, begann ich zu erkennen, dass dies ein Fehler war. Kaum hatte ich meinen Satz beendet, sprach der Vater auch schon seine Tochter an, ob sie nicht einen Englisch sprechenden Freund haben moechte, zeigte dabei auf mich und fragte mich ob ich denn nicht Lust haette mal mit seiner Tochter ein bisschen Englisch zu lernen. Da war sie wieder, die Zahnspange, gepaart mit einem nicht ganz uneindeutigen Blick. Es war nicht einfach aus der Situation herauszukommen, aber ich glaube ich habe es ganz gut gemeistert. Dem Personalleiter, der zustaendig ist fuer das eigene Praktikum, klarzumachen, dass aus mir und seiner Tochter nichts wird, erforderte viel Fingerspitzengefuehl. Zum Glueck kam der Sohn auf die Idee, etwas Wii zu spielen, sodass die Situation allmaehlich entschaerft wurde und der Abend, gerade auch durch viel Bier, doch noch ganz lustig wurde. Auch die Nacht in einem richtig japanischen Haus war ziemlich cool. Nach einem leckeren Fruehstueck und Running Sushi zum Mittagessen, war ich dann aber doch froh wieder zu Christoph zu fahren.

Am Montag sind Christoph und ich dann mal wieder nach Shibuya gezogen, um ein paar gemuetliche Bier zu trinken und Christoph ein wenig auf andere Gedanken zu bringen. Er hat naemlich so langsam genug von Japan, ein Gefuehl das auch mich ab und an einholt. Mit der Zeit verfliegt einfach das Kopfschuetteln und vieles hier geht einem einfach nur tierisch auf den Sack. Bei mir ist es vor allem der Weg zur Arbeit, ich zaehle schon die Tage, es sind noch 27, an denen ich die Rush-Hour Fahrt ueberleben muss. Immerhin gab es an diesem Abend noch ein wenig Zucker fuer mein Ego, ich wurde angesprochen, ob ich nicht als Model fuer einen japanischen Designer arbeiten wollte, ein Angebot, das ich selbstverstaendlich ablehnte. Ich wuerde ja nie meinen Koerper verkaufen.

Apropos Koerper verkaufen, gestern gab es dann ein weiteres Highlight der Woche. In meiner letzten Abteilung habe ich mir ja bereits eine Sugarmama angelacht. Sie heisst Mari, ist um die 50, Single, ohne Kinder, guter Job, zu viel Geld und fuehlt sich ein wenig als mein japanischer Mutterersatz. Nachdem sie mir ueber die letzten Woche bereits eine Vielzahl an Geschenken und Nettigkeiten zukommen hat lassen, unter anderem eine Krawatte, endlich eine vierte Krawatte, hat sie mich gestern ins japanische Theater eingeladen. Da sie allerdings Ihren kranken Vater abends pflegt hat sie mich einer ihrer besten Freundinnen vorgestellt, eine etwas juengere, ebenfalls ledige, Unternehmensberaterin. Mit ihr zusammen sah ich dann erst mal eine grossartige japanische Theaterauffuehrung, genannt Kabuki. Dank der grossartigen Buehne, den tollen Kostuemen und den super Schauspielerin, hatte ich ohne ein einziges Wort verstanden zu haben, trotzdem meinen Spass. Danach wurde ich dann von den beiden Damen in ein japanisches Steakrestaurant eingeladen und ich kann nur sagen es war traumhaft. Ein japanisches Filet fuer 200 Euro zu verspeissen ist echt unbeschreiblich! Auch dieses mal gab es danach noch Geschenke. Ihr seht also ich wuerde nie meinen Koerper verkaufen. Nein, um ehrlich zu sein, habe ich sehr viel Spass mit den beiden, es ist eine absolut angenehme Abwechslung zu den Frauen, die man hier in den Clubs trifft.

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Kabuki Theater

Auch fuer die naechste Woche ist schon jeder Abend verplant, so dass mir auch dieses mal wohl wieder eine tolle Zeit bevorsteht. Mir bleibt nur noch zu sagen, noch 27 mal De-en-Toshi-Line und ich sehe euch alle wieder!

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